Das Projekt „Ich will mich“ wird von Vertretern verschiedener Fachrichtungen begleitet. Ziel dabei ist es, Entwicklungen und Veränderungsprozesse innerhalb des Projektes aus verschiedenen Blickwinkeln, mit der jeweiligen fachlichen Kompetenz einzuschätzen und ganzheitlich bewerten zu können. Dass durch dieses interdisziplinäre Netzwerk auch Handlungswege in Krisenfällen erschlossen werden können, zeigte sich Ende November 2011 bei einer interdisziplinären Fallkonferenz zum Thema Angelika.
In dieser Beratung wurden von behandelnden und beratenden Fachärzten der Psychiatrie/Neurologie, dem Vertreter der wissenschaftlichen Begleitung von der UNI Halle, einer Psychologin und dem pädagogischen Team, Verhaltensbilder analysiert. Jede Profession hatte die Möglichkeit ihre Einschätzungen zu formulieren. Psychologische, medizinische und pädagogische Prozesse und Sichtweisen konnten auf direktem Weg kommuniziert werden. Nachfragen, Einschätzungen und evtl. Korrekturen im Verlauf der Krankheit von Angelika wurden in einer sehr offenen Begegnung formuliert. Gerade das heutzutage häufig zu kurz kommende Patientengespräch, wenn es um psychiatrische Störungsbilder geht, konnte stellvertretend aber mit Zustimmung von Angelika geführt werden. Anhand von Videosequenzen wurden Verhaltensweisen, Wünsche und Äußerungen zum eigenen Erleben von Angelika veranschaulicht und erfassbar gemacht. Unmittelbar vor der Konferenz suchten der behandelnde und der beratenden Arzt Angelika in ihrer Wohnung auf, um sie auch direkt zu Wort kommen zu lassen, soweit dies im Moment möglich war.
Ebenfalls im Mittelpunkt der Konferenz standen Ängste und Unsicherheiten der Mitarbeiter, welche seit knapp zwei Jahren den oft schwierigen und schwer nachvollziehbaren Verlauf der psychischen Erkrankung begleiten. Alle bestehenden Fragen zu Wirkungen von Medikamenten, psychologischen Mustern und pädagogischem Handeln konnten in der zweistündigen Konferenz besprochen werden. Am Ende der interdisziplinären Fallkonferenz wurden die Ergebnisse zusammengetragen, eine vermutete medizinische Diagnose gestellt und Handlungsmuster zur täglichen Assistenz dargelegt. Die weiteren Schritte wurden verabredet und Verantwortlichkeiten festgelegt. Das pädagogische Team des Wohnbereiches bedankt sich für die Möglichkeit zu dieser Fallkonferenz.
